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Das Leben in der Herrlichkeit Lembeck (19. Jahrhundert)

"Das 19. Jahrhundert, geprägt durch Restauration, Revolution, Industrielle Revolution und die Entstehung von Nationalstaaten dynamisierte allmählich auch das Leben in der Region: "Der Körperbau der hiesigen Eingesessenen war schlank, kräftig und gesund. Personen von 10 bis 12 Zoll und 180-200 Pfund waren keine Seltenheit, hagere Gestalten weit häufiger als große Fettleibigkeit. Ihre Lebensart war einfach, mehr schmutzig als reinlich, ihre Betriebsamkeit nicht sonderlich. Ein gesunder, wenngleich wenig ausgebildeter Verstand war überall anzutreffen. Ein religiöser Sinn und ein tiefes Gefühl für Sittlichkeit machten einen Hauptzug ihres Charakters aus, ebenso wie eine erheuchelte Demut, Erbitterung und Misstrauen gegen ihre Machthaber. Obgleich von Aberglauben noch nicht ganz frei, dienten die Hexen- und Gespenstergeschichten schon längst zu ihrer Belustigung.

Die hauptsächlichsten Volksvergnügungen bildeten die Kirchmessen (und Jahrmärkte), welche nach beendigter kirchlicher Feierlichkeit mit einer Tanzbelustigung endeten. Die Hochzeiten, wozu alle Geladenen ein Geschenk in Gelde oder Lebensmitteln boten, die Vogel- und Scheibenschießen, mit welchem am folgenden Tage ein Umzug der bewaffneten Schützenkompagnie in der Gemeinde mit Trommel und Musik an der Spitze verbunden war. Die Bauern schenkten dann gewöhnlich eine Henne. Die Fastnachtslustbarkeiten währeten drei Tage undwaren ebenfalls mit einem Umzug zur Einholung verschiedener Würste verbunden. Es versteht sich von selbst, dass an jedem Hause ein Tänzchen gemacht und dabei gegessen und getrunken wurde. (...)
In der letzteren Zeit wurde freilich auch Branntwein bei diesen Festlichkeiten genossen, obschon Bier doch noch immer das Hauptgetränk ausmachte.

Wenngleich nun nicht zu verkennen ist, daß bei der früheren Verfassung ein großer Teil der Bevölkerung wenigstens in einer gewissen politischen Bedrückung lebte, so genossen sie doch insgesamt gesehen eine behagliche Sorglosigkeit, indem durch das strenge Überwachen der Marken durch den Markenrichter, sowie der Kolonate und Kotten durch die Grundherren, die Niederlassungen und Neubauten sehr erschwert, ein Eingreifen des Luxus gehemmt wurde, so daß nicht nur eine zu schnell vorschreitende Bevölkerung, sondern auch das Verschulden der Besitzungen, folglich auch das Überhandnehmen der Armen abgehalten wurde.

Durch die Aufhebung der Leibeigenschaft und aller daraus herfließenden Verpflichtungen und durch allmähliche Befreiung des Grundeigentums, wurde eine wesentliche Veränderung hervorgerufen. Der Chausseebau schleuderte eine Masse Geldes unter die arbeitende Klasse, die dadurch instand gesetzt wurde, ihre Freiheit recht zu genießen. Die früheren durch die Zeit gehiligten Feste wurden teils, weil ihr eigentlicher Zweck aufgehört hatte, teils durch Polizeigesetze vor und nach unterdrückt. Dagegen entschädigte sich insbesondere die Jugend durch häufigere Tanzlustbarkeiten, welche alsboald zu einer bedrohlichen Frequenz heranreiften. Die darauf gelegte Abgabe zum Vorteil der Armenkasse von anfangs 7 1/2 und später 15 Sgr. per Tag und Gesellschaft waren nicht hinreichend, ihren Lauf zu hemmen.

Die Zahl der ausgegebenen Tanzmusikerlaubnisscheine betrug:
(die erstgenannte Zahl ist aus dem Jahr 1825, die zweite Zahl aus dem Jahr 1842)
in Lembeck 50, 67
in Wulfen 22, 22
in Hervest 13, 15
in Altschermbeck 39, 34
in Erle 16, 21
in Holsterhausen 10, 16
in Rhade 22, 14

"In Holsterhausen existierte früher kein Armenfond. Der Pfarrer Drecker daselbst dem die Einnahme für Tanzmusikerlaubnisscheine und die Einnahme des Armenstocks zugewiesen war, zeigte unterm 27. November 1831 an, dasser ein Kapital von 60 Talern erspart habe. Damit legte er den Grundstein zum Armenfond. Er übernahm die Emonitur bis zum Jahre 1838, wo der Schenkwirt Tewes, gt. Burbaum als Rendant installiert wurde. Zu den Wohltätern der Holsterhausener Armen gehören: 1. der zu Osnabrück verstorbene Weinhändler Bernh. Schröer aus Wulfen gebürtig, der den Armen zu Holsterhausen per testamentum vom 10. April 1784, einhundert Taler Geld vermachte mit der Bestimmung, daß der zeitliche Pastor aus den Zinsen 4 Seelenmessen lesen und den Rest unter die Armen verteilen solle."

"An Stelle des unschuldigen Bieres war der Branntwein fast überall das herrschende Getränk geworden. Die Eltern und Hausväter, welche an den Belustigungen, die von der Jugend geleitet wurden, keinen Geschmack finden konnten, zogen sich an den Herd zurück oder blieben ganz zu Hause, so daß die Jugend, während sie früher nur unter Aufsicht ihrer Eltern an den Belustigungen teilnehmen konnte, sich nunmehr selbst überlassen blieb. Die mit den Verführungskünsten der Städte wohl ausgerüsteten, aus dem Militärdienste heimkehrenden jungen Leute spielten natürlich keine untergeordnete Rolle in den Gesellschaften. So vervielfältigten sich die Ehen nicht nur infolge der erleichterten Ansiedlung, sondern auch infolge des gesellschaftlichen Zusammenlebens. Ein kleines Haus in der öden Heide war durch Hilfe der Verwandten und Nachbarn bald errichtet. Jedoch konnte es nicht ausbleiben, daß die Neubauer, besonders wenn ihre Ehen, wie es fast immer zu geschehen pflegte, durch eine zahlreiche Nachkommenschaft gesegnet wurde, mit Mangel jeder Art zukämpfen hatten und ihre Nahrung fast auf Brot, Kartoffeln und etwas Milch beschränkt wurde. Kein Wunder, daß der alte ansehnliche Menschenschlag sehr bald entnervt und verkümmert wurde, so dass dem unbefangenen Beobachter diese Wahrnehumg nicht entgehen konnte. Eine fernere Ursache dieser Entartung dürfte noch in dem häufigen Genuss der Kartoffel und des Branntweins, sowie die sitzende Lebensweise, die die Mädchen und Frauen nicht nur den ganzen Winter, sondern sogar einen großen Teil des Sommers an das Spinnrad bannt, um ihr kümmerliches Leben zu fristen."

Um diesem kümmerlichen Leben zu entrinnen, suchten viele Menschen ihr Heil in der neuen Welt. Für das Jahr 1844 vermerkte Pfarrer Drecker voller Kummer:
Am 25. August 1844 wanderten folgende Mitglieder unserer Gemeinde nach Amerika aus: Die Witwe Kresken, der Kolon Furtmann, genannt Kresken, nebst seiner Frau Elisabeth, geborene Kresken und vier unmündigen Kindern und seinen Schwägern und Schwägerinnen; dann der Weber Bernhard Sobben nebst Frau und vier unmündigen Kindern, und endlich der Junggeselle und Maurer Johann Rüter. Der Seiler Johann Ammenwerth war schon im Frühjahr dahin abgegangen und hatte das Unglück gehabt, in der Nähe von Algany-Pitsburg vom Schiffe zu fallen und zu ertrinken. Es waren also insgesamt 18 Seelen, die in diesem Jahr unsere Gemeinde verließen und in ein anderes Land auswanderten. Der Abschied war sowohl für die Auswanderer als auch für mich und für unsere ganze Gemeinde von größter Trauer wegen der vielen und großen Gefahren an Leib und Seele, denen jene entgegengingen.
Joseph Drecker - Pfarrer

Die o.g. Dynamisierung erfaßte ebenso die Kirchengemeinde St. Antonius. So wurde im Jahre 1818 das 1768 erbaute Pfarrhaus am Buckenhofe abgebaut und auf dem Achterkamp (heute Gärtnerei Küper-Gröting) wieder errichtet. Die Schule des Küsters Quicksterdt reichte schon bald nicht mehr aus, und so wurde im Jahre 1843 neben der alten Pfarrkirche eine neue erbaut.

Im gleichen Jahr feierte die Kirchengemeinde ihr 400jähriges Bestehen. 1874 wurde die durch Holsterhausen fhrende Eisenbahnlinie Haltern-Wesel freigegeben, die ein Vorbote der bald einsetzenden Industrialisierung war. 1875 wurde der erste Kirchenvorstand gegründet. 1878 erfolgte die Gründung des Jünglingsvereins St. Antonius. 1887 eröffneten die Barmherzigen Brüder aus Montabaur mit der Anstalt Maria Lindenhof ein Pflegeheim für Epileptiker.

Im Jahre 1888 kam Josef Herold als Vikar nach Holsterhausen und wurde 1898 Pfarrer.
Für Holsterhausen war es der "Vorabend" zur Industriellen Revolution!

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Pfarrnachrichten

11.11.2018

Termine 2019

Wir möchten alle Gruppen, Vereine und Verbände und alle anderen Vorbereitungskreise bitten, ihre Termine für das kommende Jahr dem jeweiligen Pfarrbüro bis zum 15. November zu melden.


Termine

Mittwoch, 14.11.2018

Vorstand Pfarreirat

Die Vorstandsmitglieder des Pfarreirates sind herzlich um 18.00 Uhr ins Pfarrheim St. Antonius eingeladen.

Katecheten Erstkommunion

Die Katecheten der Erstkommunionvorbereitung 2019 treffen sich um 20.00 Uhr im Pfarrheim in St. Antonius.

Donnerstag, 15.11.2018

19.00 Uhr

Eucharistiefeier

8.20 Uhr

Schulgottesdienst der Antoniusschule (3. Klassen)

Freitag, 16.11.2018

9.00 Uhr

Wortgottesdienst

Dankeschön-Abend

Die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer sind herzlich eingeladen zu einem Dankeschön-Abend im Pfarrheim St. Bonifatius. Die angemeldeten Teilnehmerinnen und Teilnehmer treffen sich um 19.00 Uhr.

Samstag, 17.11.2018

Kirchenkratzen

Die Kirchenkratzaktion findet statt um 10.00 Uhr rund um Kirche und Pfarrheim und schön wären viele Helfer.

Sonntag, 18.11.2018

11.00 Uhr

Eucharistiefeier
Anschließend Volkstrauertagsfeier mit Kranzniederlegung am Ehrenmal am Pfarrheim, mitgestaltet vom Kirchenchor und Blasorchester

Dienstag, 20.11.2018

9.00 Uhr

Eucharistiefeier

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